Status des
Wettbewerbs
Der Wettbewerb 2026/27 läuft

Bewertungskriterien

Die fünf Kriterien, nach denen die Jurys jeden Essay beurteilen.

Die Jurys beurteilen jeden Essay nach fünf Kriterien. Sie gelten in der ersten Wettbewerbsstufe ebenso wie beim Bundesentscheid während der Winterakademie.

1. Relevanz für das Thema

Die Relevanz ist in gewisser Weise das grundlegendste Kriterium. Ein Essay, der das gestellte Thema verfehlt, kann nicht ausgezeichnet werden – selbst dann nicht, wenn er alle übrigen Kriterien mustergültig erfüllt. Bezieht sich das vorgegebene Zitat etwa auf eine Frage der politischen Philosophie, während der Essay ausschließlich erkenntnistheoretische Überlegungen anstellt, so geht er am Thema vorbei.

Das schließt umgekehrt nicht aus, dass ein Essay zu einem politisch-philosophischen Thema auch erkenntnistheoretische Argumente heranzieht. Das Kriterium wirkt zudem auf einer zweiten, feineren Ebene: Auch ein grundsätzlich themenbezogener Essay kann Passagen enthalten, die für die selbst gewählte Fragestellung weniger oder gar nicht einschlägig sind. Je weniger solcher entbehrlichen Abschnitte ein Essay enthält, desto besser ist er – bei sonst gleichen Bedingungen.

2. Philosophisches Verständnis des Themas

Maßgeblich ist das Verständnis, das die Schülerin oder der Schüler vom Thema entwickelt – nicht zwingend jenes, das der Urheber des Zitats oder dessen Zeitgenossen damit verbanden. Eine zutreffende Deutung des Zitats belegt philosophisches Verständnis; ebenso kann es sich aber zeigen, wenn eigene, vom Zitat angeregte Gedanken entfaltet werden, die mit der ursprünglichen Absicht des Autors gar nicht übereinstimmen.

Kenntnisse aus der Philosophiegeschichte weisen philosophisches Verständnis allerdings nur dann aus, wenn sie tatsächlich in die Argumentation eingebunden sind. Das bloße Referieren bekannter Positionen oder gar reines „Name-Dropping“ genügt für sich genommen nicht; erst als tragender Bestandteil einer Argumentation zählen solche Bezüge. Ein vertieftes Verständnis zeigt sich schließlich in der korrekten und differenzierten Erläuterung philosophischer Thesen sowie in der Einführung und Analyse der für das Thema zentralen Begriffe.

3. Argumentative Überzeugungskraft

Dieses Kriterium setzt voraus, dass der Essay für eine oder mehrere Thesen argumentiert. Fehlt eine tragfähige philosophische Argumentation, ist der Essay in der Regel nicht auszeichnungswürdig – es sei denn, er besticht durch ein anderes herausragendes Merkmal, etwa eine fein ausgearbeitete originelle Sichtweise oder eine sorgfältige Begriffsanalyse.

Wird hingegen argumentiert, so kann die Überzeugungskraft sehr unterschiedlich ausfallen. Sie bemisst sich daran, wie gut die Argumente entwickelt werden und wie stichhaltig sie an sich sind. Ebenso zeigt sie sich darin, ob mögliche Einwände und Gegenargumente aufgegriffen und wie überzeugend diese diskutiert werden.

4. Kohärenz

Kohärenz lässt sich in dreifacher Hinsicht verstehen. Zum einen meint sie einen klaren und logisch nachvollziehbaren Aufbau des Essays. Zum anderen verlangt sie, dass die verwendeten Begriffe eindeutig bestimmt und durchgängig einheitlich gebraucht werden. Schließlich bedeutet sie, dass die aufgestellten Behauptungen miteinander vereinbar sind und einander nicht widersprechen. Das Kriterium sollte in allen drei Bedeutungen zur Geltung kommen.

5. Originalität

Die Originalität gilt als das subjektivste der fünf Kriterien. Sie liegt vor, wenn im Essay eine eigenständige Gedankenentwicklung erkennbar wird und nicht bloß wiedergegeben wird, was sich in Lehrbüchern nachlesen lässt. Originalität verlangt dabei nicht, dass eine überraschende oder gänzlich neue These vertreten wird.

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